7 Lebensbereiche

Kopfweiden – prägende Landschaftselemente im östlichen Niederösterreich

In Niederösterreich gab es früher ausgedehnte Kopfweidenbestände in den Tälern der March und der Donau, im Wiener Becken, in den Bachtälern des Weinviertels. Die noch erhaltenen Restbestände bilden Landschaftselemente verschiedenen Typs: Kopfweidenwiesen, Kopfbaumzeilen entlang von Grundstücksgrenzen und Wirtschaftswegen, und am häufigsten zu finden sind Kopfbaumzeilen entlang von kleineren Bächen. Das Ausbilden von Kopfbäumen beruht auf einer alten Nutzungsform, dem „Köpfen“ oder „Schneiteln“. Dabei werden in regelmäßigen Abständen die Seitenzweige eines Baumes nahe dem Stamm abgeschnitten. Die Bäume reagieren darauf mit dem Austreiben von rutenförmigen Zweigen unmittelbar unterhalb der Schnittflächen. An den Schnittflächen dringen Pilze und Bakterien in das Holz ein und zersetzen es, und die neuen Seitentriebe führen gleichzeitig zu einer Verbreiterung des Stumpfes. Nach mehrmaligem Köpfen entsteht auf diese Weise ein unregelmäßiger, nach oben abgeplatteter Kopf, der bei jedem Schnitt eine größere Anzahl von Ruten austreibt. Durch das Vermodern an den Schnittflächen entstehen Höhlen, die oft den ganzen Stamm durchziehen.

Das Kopfholz spielte schon zu römischer Zeit eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft. Die wohl wichtigste Verwendung war die Nutzung als Brennholz, die bekannteste Nutzungsform der Weidenruten ist die Korbflechterei, weiters wurde das Holz zur Herstellung von Hausrat und Arbeitsgeräten (Werkzeugstiele, Heureiter, Pantoffel), sowie für Zäune und Gatter verwendet. Kopfbäume weisen auch eine sehr große ökologische Bedeutung auf. Sie bieten ein großes Angebot an Höhlen und ein reiches Angebot an Alt- und Totholz und Rindenspalten – der Lebensraum einer Vielzahl von Tierarten. In der heutigen Zeit werden die Kopfbäume von der Landwirtschaft und den BewohnerInnen des ländlichen Raumes kaum mehr genutzt. Da sie aber ein wichtiges Landschaftselement sind, fördert das Land Niederösterreich über den Landschaftsfonds die Pflege sowie die Neuauspflanzung der Kopfweiden.

Kopfweide

Kontakt:
Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung Forstwirtschaft
Tel: 02742-9005/12811
E-Mail: post.lf4@noel.gv.at

Landwirtschaftsstile – die Vielfalt ländlichen Wirtschaftens

Es ist eine Binsenweisheit, dass Landwirtschaft treibende Menschen nicht allein wirtschaftliche Zwecke anstreben; zudem sind sie in soziale Beziehungen eingebunden und folgen kulturellen Orientierungen. Dieser ganzheitlichen Sicht von Landwirtschaft folgt der Begriff Landwirtschaftsstil. Der Landwirtschaftsstil einer Person, eines Hofes oder einer Gemeinde meint den praktischen Zusammenhang dreier Aspekte: der Vorstellungen über Landwirtschaft, der Beziehungsnetze der beteiligten Akteure und der Arbeitstätigkeit auf den Höfen. Erfahrungsgemäß bestehen Landwirtschaftsstile, selbst auf engem Raum, in großer Vielfalt: Einkommensoptimierer, Technikorientierte, Traditionalisten, Idealisten, Hobbylandwirte und so fort. Zudem verändern sie sich von Zeit zu Zeit. Am Institut für Geschichte des ländlichen Raumes in St. Pölten werden Landwirtschaftsstile in Niederösterreich von den 1930er bis zu den 1970er Jahren umfassend beforscht. Der Übergang von der extensiven und gemischten zur intensivierten und spezialisierten Landwirtschaft soll aus der Perspektive ländlicher Akteure nachgezeichnet werden. Zu diesem Zweck werden Agrarzeitschriften auf ihre Botschaften hin durchforstet, bäuerliche Betriebs- und Haushaltsdaten über Jahrzehnte hinweg ausgewertet und Erzählungen von (Alt )Bäuerinnen und (Alt-)Bauern gedeutet. Um die Vielfalt von Landwirtschaftsstilen zu erfassen, nehmen die ForscherInnen mehrere Gemeinden aus unterschiedlichen Agrarregionen Niederösterreichs unter die Lupe. Über den wissenschaftlichen Ertrag hinaus können die Projektergebnisse die öffentliche Debatte über die „ländliche Entwicklung“ um einen historischen Weitblick bereichern.

Erntepferde

Kontakt:
Institut für Geschichte
des ländlichen Raumes
Tel: 02742-9005-12987
E-Mail: ernst.langthaler@noel.gv.at